Einsatzbericht Ulrich Schulz, Banepa

Bericht über meine Arbeit als Optometrist am „Scheer Memorial Hospital“ in Banepa (Nepal) vom 24. März bis 20. April 2012. Ich bin staatl. gepr. Augenoptiker und Augenoptikermeister (i.R.), das entspricht im engl./am. Raum in etwa dem dortigen Optometristen.

Mein erster Einsatz für GRVD führte mich ans „Scheer Memorial Hospital“  nach Banepa/Nepal, etwa 30 km östlich vom Kathmandu.

Der Flug Frankfurt – Katmandu und zurück mit Zwischenstop in Oman war bestens von Julia Seifert organisiert und verlief gut. Allerdings gab es beim Hinflug in Oman 3 h Verspätung, die Folge war der arme Fahrer vom SMH musste lange warten.

Kathmandu und die größeren Städte zeichnen sich durch ungeheuren Smog aus, hervorgerufen durch den  Straßenverkehr und den Staub. Auch die Müllentsorgung lässt sehr zu wünschen übrig. Das SMH liegt auf einem Hügel über dem Kathmandutal, dort ist die Luft erheblich besser.  Es ist für nepalesische Verhältnisse ein recht großes Krankenhaus mit einem medizinischen Angebot welches ausführlich auf der Homepage des GRVD vorgestellt ist. Ich konnte in der „eye clinic“ tätig sein.

Der Empfang am Sonntag war äußerst freundlich, ich wurde von Dr. Welch und Mr. Lincoln Marikone  willkommen geheißen. Untergebracht war ich in einem recht komfortablen Appartement im Gästehaus, 2 Schlafzimmer, 1 Wohnraum, Küche und Dusche/WC.

Dienstbeginn war der Montag morgen. Der Samstag ist in Nepal der Sonntag, die Dienstzeit war von Sonntag bis Freitag von 8:30 bis 16:30 Uhr. Die „eye clinic“, besser gesagt die „Augenambulanz“  innerhalb des Hospitals ist ein größerer Raum mit entsprechender Einrichtung, die von einer med. Assistentin, Frau Lalita Vaidya, geleitet wird. Ein Augenarzt ist nicht vor Ort.  Dr. Fernando Cardona war der ärztliche Ansprechpartner.

Die Patienten kommen aus der Umgebung im Kathmandutal. Oft aber auch von weit her, werden sehr sorgfältig untersucht und einfache Fälle werden vor Ort medizinisch versorgt. Patienten die offensichtlich schwere Krankheitsbilder zeigen, überweist man in eine Augenklinik, meist nach Kathmandu. Neben den  Fällen, die im SMH versorgt werden, sind aber die Augenprüfungen zur Korrektion der Fehlsichtigkeit der Schwerpunkt  der „eye clinic“.  Es gab eine gute ausführliche Dokumentation.

Man hatte mich im Vorfeld wissen lassen, dass das ophtalmologische bzw. optische Instrumentarium nur bedingt einsatzfähig war, deshalb hatte ich vorsorglich feinmechanisches Werkzeug dabei. Es waren sehr gute Geräte vorhanden, die aber leider nicht benutzt werden konnten, da sie mechanisch und elektrisch nicht funktionsfähig waren.  So war ich in den ersten Tagen  überwiegend damit beschäftigt die durchaus sehr wertvollen Geräte einsatzfähig  zu machen, was mir letztendlich relativ schnell  gelungen ist. Die Mechaniker des Hospitals waren dabei eine große Hilfe.

Die vorhandene Ausrüstung: 1 Zeiss Spaltlampe (älteres Modell, aber gut), 1 Topcon Spaltlampe(ziemlich neu, sehr gut !) 2x Phoropter !! 1 Sehzeichenprojektor ( konnte nicht benutzt werden, da die Fernbedienung  fehlte), 2 x Skiaskop, 2x Ophtalmoskop, 1 großer Augenspiegel (nicht in Gebrauch), Meßbrille ( fällt bald auseinander!!),  Probiergläserkasten (komplett), 2x Tonometer nach Schiötz ( uralt, waren nicht in Gebrauch), beleuchtete Sehprobentafel ( Landoldtringe, Buchstaben, E-Haken, nepalesische Zeichen).

Wir hatten dort bis zu 15 Patienten pro Tag mit Augenerkrankungen oder/ und Sehproblemen. Mein Arbeitsgebiet war neben der Unterstützung bei den Untersuchungen, die Augenglasbestimmung (Refraktion). Hier konnte durch den Einsatz der guten Geräte schnell eine Verbesserung der Arbeit erreicht werden. Ich habe besonderen Wert  auf das Training der Assistentin Lalita mit modernen Geräten gelegt. Auch habe ich versucht standardisierte Refraktionsmethoden zu vermitteln. Leider fehlt ein Sehzeichenprojektor oder eine entsprechende Sehprobentafel, um noch umfassender dort qualitativ hochwertige Optometrie anzubieten.

Das Hospital hat großes Interesse die „eye clinic“ zu verbessern und bekannter zu machen. Ich könnte mir einen erneuten Einsatz im SMH vorstellen würde aber  vorher in Deutschland noch fehlende Dinge organisieren. Diese sollten dann mechanisch einfach sein und im Handgepäck zu transportieren sein. Ein einfacher Sehzeichenprojektor wäre nötig, auch eine neue Messbrille und diverse Kleinigkeiten. Wäre alles machbar.

Die Ärzte, das Krankenhauspersonal, die Verwaltung waren allesamt sehr freundlich, herzlich und hilfsbereit. In der Kantine gab es schmackhaftes Essen, typisch nepalesisch, nicht nur „Dhal bhaat“, auch andere Gerichte. Es lohnte nicht sich im Appartement selbst zu verpflegen.

Die Patienten waren äußerst nette höfliche Menschen, stets gut gekleidet, die in der Mehrzahl nur nepalesisch sprachen, so wäre ohne die Assistentin die ins englische übersetzte, keine Kommunikation möglich gewesen. Eine freundliche Behandlung und ein gutes Wort erzeugten große Dankbarkeit. Nepal ist zwar ein armes Land, hat aber ein besonderes Flair durch die alte von Religionen geprägte Kultur.

Ich habe auf eigene Faust die Städte in der Umgebung besichtigt. Man kann völlig sicher auch allein unterwegs sein  und trifft immer auf freundliche Menschen. Busfahren, Taxifahren ist alles kein Problem und äußerst billig. Ich kann nur empfehlen, einmal auf einen Aussichtspunkt  fahren, man wird dann belohnt durch einen grandiosen Anblick der Achttausender in der Ferne. Den RC Kathmandu Midtown habe ich mit Mr. Lincoln Marikone besucht, wurde dort ebenso freundlich aufgenommen wie bei meinem Besuch beim  RC Dhulikhel.

Es war beeindruckend welche Hilfsprojekte die Freundinnen und Freunde In Nepal durchführen. Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich im SMH arbeiten durfte und den Menschen in diesem wunderschönen Land ein wenig helfen konnte.

Ulrich Schulz