Einsatzbericht von Kerstin Hanauer in Berekum

Als ich im Sommer 2011 durch Zufall auf die Homepage des GRVD geklickt habe, hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich schon am 04.01.2012 meine Reise nach Ghana antreten werde.

Durch die Hilfe von Fr. Seifert, sowie Hr. Dr. Heimer und Hr. Dr. Krauss war der Einsatz bestens organisiert. Vielen Dank an dieser Stelle.

Da ich die erste Hebamme des GRVD war konnte ich mir nur vage vorstellen, was meine Aufgabe in den geplanten vier Wochen sein wird.
Aber eins war sicher: Das CTG sollte den ghanaischen Hebammen vorgestellt werden.

Zusammen mit Prof. Heidenreich , den ich am Flughafen von Amsterdam getroffen habe, wurden wir nach einer Übernachtung in Accra von Sr. Rosia, der Verwaltungsdirektorin und einem Fahrer des Krankenhauses herzlich begrüßt  und nach Berekum gebracht.
Die Fahrt dauerte ca. 8 Stunden ( je nach Verkehrs- und Straßenverhältnissen). Dort angekommen wohnten wir in einem Gästehaus mit einfacher Ausstattung ca. 10 Gehminuten vom Krankenhaus entfernt.
Sr. Rosia organisierte uns eine Haushälterin die uns während des Aufenthaltes sehr gut bekochte und sich um den Haushalt kümmerte.

Arbeitsbeginn war um 7:30 Uhr. Gemeinsam mit Prof. Heidenreich nahm ich an der Morgenbesprechung teil. Dort wurde von den diensthabenden Housemans (AIP ) über den Vortag berichtet.
An der täglichen Besprechung nahm auch der medizinische Leiter Hr. Dr. Attu teil, der uns freundlich begrüßte. Leider hatte ich während meiner Tätigkeit in Kreißsaal wenig Kontakt mit ihm.

Am ersten Tag waren die Hebammen etwas überrascht über mein Kommen, haben mich aber freundlich begrüßt und mir den Kreißsaal gezeigt.
Die Ausstattung ist eher schlecht, da mehrere Entbindungsbetten nicht benutzt werden können, diese sind schon öfter zusammengebrochen.

Im Jahr 2011 waren 3037 Geburten. Die Sectiorate liegt bei ca. 20%.
Es wird laut den Safe Motherhood Service Protocol  2007 gearbeitet, dass bei uns als veraltet gilt.
In drei Schichten arbeiten jeweils 2 Hebammen und eine Pflegehelferin oder Hebammenschülerin/ Lernschwester.
Im Moment gibt es keinen Gynäkologen, aber einen interessierten und fleißigen Medicalofficer (Assistenzarzt) der ab September diesen Jahres die Facharztausbildung beginnt.
Im Notfall (Sectio, Vakuum, Blutung) wird der diensthabende Houseman hinzugezogen.
Dieser ist für das gesamte Krankenhaus zuständig und hat geburtshilflich eher wenig Erfahrung.

Anfangs waren die Hebammen von den Nutzen des CTG-Gerätes nicht sehr überzeugt, aber in vielen Fällen hat sich die fetale Herztonüberwachung als sehr nützlich erwiesen.
Durch die tägliche Zusammenarbeit mit den ghanaischen Hebammen konnte das CTG immer häufiger eingesetzt werden und es wurde sogar ohne meine Anwesenheit benutzt.
Besonders die Kreißsaalleitung war sehr aufgeschlossen und dankbar über das neue Gerät.

Nach einiger Zeit erkannten die Hebammen die Vorteile des CTG´s und beschäftigten sich mehr mit der fetalen Herztonüberwachung, die durch das Hörrohr in vielen Fällen zu gering ist.
Leider arbeitet man streng nach dem Motherhood Service Protocol. Gerade notwendige Maßnahmen bei Regelwidrigkeiten im Geburtsverlauf können dadurch nicht eingeleitet werden und gefährden somit das fetale Outcome.

Nach einer Woche versagte leider der Wehenschreiber, was aber den Gebrauch des CTG´s nicht einschränkte und am Ende des Einsatzes konnte dieser durch einen deutschen Medizintechniker aus Sunyani repariert werden.

Auch die ghanaischen Ärzte waren interessiert an der Methode des CTG´s und möchten diese in Zukunft anwenden.
Ein weiterer positiver Aspekt war die Information der werdenden Mütter über den Zustand ihres Kindes während der Geburt. Komplikationen in der Schwangerschaft und eine hohe Säuglingssterblichkeit ( im Jahr 2005 68 auf 1000 Lebendgeborene) ist nach wie vor ein Problem.
In der letzten Woche konnte ich durch die Hilfe der Kreißsaalleitung die Hebammenschule besuchen und nahm dort auch am Unterricht teil.
Kurz darauf besuchten mich die Hebammenschülerinnnen im Kreißsaal und ich konnte auch ihnen das CTG vorstellen.

Die Zusammenarbeit mit Prof. Heidenreich war sehr angenehm und ich konnte ihn jederzeit zu geburtshilflichen Entscheidungen hinzuziehen. Sein großes Wissen teilte er gerne mit mir. Dafür war und bin ich sehr dankbar.

Zum Abschluss würde ich meinen Einsatz in Berekum als erfolgreich bezeichnen.
In Zukunft sollten wieder deutsche Hebammen eingesetzt werden, am besten in Zusammenarbeit mit einem Gynäkologen. Sicher wäre eine Vertiefung der CTG-Kenntnisse der ghanaischen Hebammen sinnvoll.
Auch die Verwaltungsdirektorin Sr. Rosia und die Kreißsaalteam würden dies befürworten und wären für weitere Hilfe sehr dankbar.

Für mich wichtigster Aspekt ist die Reduzierung der Säuglingssterblichkeit mit Hilfe des CTG-Gerätes.