Einsatzbericht St. Mary Theresa Hospital, Dodi Papase

Vom 24.02. bis zum 24.03.2011 waren der Gynäkologe Dr. Rasso Kaut, der Chirurg Prof. Dr. Peter Merkle, meine Frau Stefania (OP-Schwester) und ich, Anästhesist, im St. Mary Theresa Hospital in Dodi Papase.

Vom 24.02. bis zum 24.03.2011 waren der Gynäkologe Dr. Rasso Kaut, der Chirurg Prof. Dr. Peter Merkle, meine Frau Stefania (OP-Schwester) und ich, Anästhesist, im St. Mary Theresa Hospital in Dodi Papase. Bei der Ankunft im Flughafen Accra gab es einige Schwierigkeiten beim Zoll. Wir hatten 2 Aluminiumkisten mit Medikamenten etc. dabei und mussten alles genau erklären. Dabei wäre ev. ein Schreiben von GRVD in englischer Sprache hilfreich gewesen, das uns als Volunteers ausgewiesen hätte. Wir übernachteten in der Golden Crest Lodge,  nur 10 Minuten entfernt vom Flughafen gelegen und deshalb auch angenehmer als im  letzten Jahr. Der Transfer nach Dodi Papase und auch alle anderen Fahrten wurden von Sally in bekannt professioneller Weise durchgeführt. Leider ist der Sitzkomfort auf den Rücksitzen der beiden Toyotas des Krankenhauses sehr bescheiden; nur der Beifahrer im Frontbereich kann etwas rückenschonender sitzen. 

Wir führten in dreieinhalb Wochen über 100 operative Eingriffe durch. Im Vergleich zum letzten Jahr hat sich einiges zum Besseren verändert, leider wurden aber auch einige Probleme nicht angegangen. Die Zuführung von zu operierenden Patienten klappte dieses Mal besser, nur zu Beginn war es etwas schleppend und es sollte deshalb vorher noch mehr Werbung gemacht werden. Auch klappte die Kommunikation mit der  Administration besser und Wünsche wurden großteils umgesetzt. So wurde z.B. eine ganze Reihe defekter Lampen im OP und Ärztebungalow ersetzt. Die Verpflegung durch Charity hatte sich gegenüber dem letzten Jahr deutlich verbessert (sollte aber auch zukünftig nicht nachlassen). Auch wurde wöchentlich die Bettwäsche gewechselt und fast täglich geputzt. Dies ist auch erforderlich, da immer wieder schwarzer Staub aus den Deckenritzen  rieselt (Termiten?).

In der zweiten Woche konnten wir auf die von uns aus Deutschland im Container geschickte Einmal-OP-Wäsche zurückgreifen, die dann erst vom Zollhafen in Accra abgeholt werden konnte. Dies hat die Sterilitätsbedingungen im OP deutlich verbessert und ist ein großer Fortschritt. Sekundärheilungen, im letzten Jahr ein Problem,  gab es nicht. Vom OP-Personal wurde die Einmal-Wäsche gut angenommen, da dadurch auch weniger Reinigungsarbeiten anfielen; z.B. bei Sectios war dies ideal. Auch bleiben bei jedem Set einige strapazierfähige Unterlagen und Tücher übrig, die dann zum Abdecken der OP-Tische oder der nackten Patienten dienen kann. Zurzeit befindet sich ein erheblicher Vorrat von Einmal-Wäsche in Dodi. Wenn dieser Vorrat aber aufgebraucht ist muss wieder mit Stoffwäsche gearbeitet werden. Dazu müsste unbedingt eine Näherin entsprechende Wäsche in nächster Zeit anfertigen, insbesondere Abdecktücher verschiedener Größen.

Die Einmal-OP-Wäsche wurde von der Fa. Sengewald, Adlerstr. 2 in 83101 Rohrdorf-Thansau zur Verfügung gestellt. Es handelte sich dabei um Ware, bei der die Umverpackung eine Beschädigung aufwies. Trotzdem ist die Sterilität absolut gewahrt und wir konnten keinerlei Nachteile erkennen. Die Firma wäre auch zukünftig bereit, ähnliches Material zur Verfügung zu stellen, wenn das von GRVD gewünscht wird und der Containertransport dafür rentabel ist.

Es waren einige junge sehr interessierte OP-Schwestern anwesend, die sehr lernbegierig waren und es bleibt zu hoffen, dass die eine oder andere zukünftig bleiben wird. Vielleicht müssten auch Anreize geschaffen werden, dass für jeden Bereich eine verantwortliche Person vorhanden ist, die sich um Sauberkeit und Probleme kümmert. Deutsche Teams sollten immer wieder darauf hinwirken, dass alles im OP sauber gehalten wird und Defekte sofort repariert werden. Ein heruntergebrochenes WC wurde erst nach mehreren Wochen und vielen Interventionen repariert. Oder die OP-Türen haben mittlerweile erhebliche Gebrauchsspuren, da die von uns im letzten Jahr angeregten Metallkanten nicht angebracht worden sind. Leider ist auch der zur Einweihung des OPs installierte Sterilisator (spanischer Hersteller) immer noch defekt und somit werden die vorhandenen modernen Trommeln nicht benutzt. Dementsprechend sind OP-Instrumente oft nicht auffindbar. Auch lässt die Pflege der Instrumente etwas zu wünschen übrig. Das Einsprühen der Instrumente mit Silikonspray wurde den Schwestern gezeigt und wird nun auch durchgeführt; deshalb müsste aus Deutschland auch immer wieder Silikonspray mitgebracht werden.

Für die Anästhesie wurden ein Sauerstoff- Konzentrator  (2.500 €) sowie ein leistungsstarker Kompressor (6.000 €) angeschafft. Laut Vertrag mit dem Lieferanten und Rotarier Mr. Dumelo aus Accra, den wir in Dodi Papase auch getroffen haben, sollten die Geräte 95% Sauerstoff liefern und damit die Narkoseapparate betrieben werden. Fakt ist aber, dass der O2-Konzentrator maximal 69% Sauerstoff liefert, der Kompressor nur Raumluft und gar nicht am Narkosegerät angeschlossen werden konnte. Herr Dumelo argumentierte dann schlitzohrig, dass dieser Kompressor ja für Druckluftgeräte im OP dienen solle, wie z.B. einer Druckluftsäge oder -bohrmaschine; beides ist nicht vorhanden und wird auch nicht benötigt. Dieser Kompressor kann aus dem OP wieder entfernt werden und ev. bei der geplanten Zahnbehandlungseinheit durch Freund König Verwendung finden.

Zum Gebrauch des O2-Konzentrators und für zukünftige Anästhesisten folgendes:
Dieses Gerät liefert max. 69% Sauerstoff, bei höherem Flow entsprechend weniger. Nach dem Starten dauert es bis zu einigen Minuten, bis höhere Sauerstoffwerte erreicht werden. Der Arbeitsdruck beträgt max. 3,8 kPa . Dies ist nicht ausreichend, um eine korrekte maschinelle Beatmung durchführen zu können. Normalerweise muss das Narkosegerät die vorgegebenen Werte (z.B. 600ml Atemzugvolumen) bei jedem vorgegebenen O2-Flow einhalten. Dies ist hier natürlich nicht der Fall und man muss mit dem Flow am Narkosegerät solange spielen, bis in etwa das gewünschte Atemzugvolumen oder Minutenvolumen erreicht wird. Dabei muss man die Verwendung volatile Narkosegase entsprechend anpassend. Des Weiteren ist der O2-Konzentrator so laut, dass ein vernünftiges Arbeiten im OP unzumutbar ist; z.B. das Abhören der Lunge nach Intubation ist quasi unmöglich. Auch bei den immer wiederkehrenden Stromausfällen stoppt das Gerät. Es ist deshalb unbedingt erforderlich am Narkosegerät zumindest eine kleine Sauerstoffflasche für den Notfall zusätzlich zu installieren. Ich werde die Kosten dafür von der Fa. Datex-Omeda in Erfahrung bringen.

Da nun ja ein O2-Konzentrator vorhanden ist, hatte man clevererweise dafür gesorgt, dass alle Sauerstoffflaschen nahezu leer waren oder abtransportiert worden sind, auch im septischen OP. Ich habe mit der für die Anästhesie zuständige Schwester Rejoice und dem Administrator besprochen, dass zukünftig wieder O2-Flaschen vorgehalten werden und auch entsprechende Druckminderer angeschafft werden (Mr. Dumelo hat die Lieferung zugesagt), um im OP, im Aufwachbereich (OP-Flur) sowie in der Maternity bei Bedarf den Patienten Sauerstoff verabreichen zu können.
Weiterhin wurde mit Mr. Stannert und Mr. Dumelo besprochen, dass der O2-Konzentrator in den kleinen WC-Raum an der Westseite des Gebäudes installiert werden soll, um das Lärmproblem zu lösen. Eine entsprechende Belüftung muss noch geschaffen werden. Von dort müssen dann Druckleitungen zu den beiden OP-Räumen verlegt werden; laut Mr. Dumelo soll dies bis Ende Mai 2011 abgeschlossen sein.

Ein weiteres großes Problem im OP ist derzeit – man höre und staune – das Blutdruckmessen. Der Datex-Monitor aus dem großen OP ist defekt und liefert keine Blutdruckwerte. Ich habe den Monitor in Absprache mit dem Administrator mit nach Deutschland genommen und werde ihn reparieren lassen. Der chinesische Monitor aus dem Notfall-OP hat mittlerweile nur noch eine funktionierende Blutdruckmanschette für Kleinkinder, alle anderen Manschetten sind defekt. Ich habe mittlerweile entsprechende Manschetten und auch Ersatz-Kabel für die Pulsoximetrie bestellt und werde diese Dr. Boskamp mitgeben, der im Mai nach Dodi Papase fährt.  Rejoice habe ich mein privates Blutdruckgerät mit Handmanometer gelassen, da sie nur noch ein Gerät mit Quecksilbersäule zur Verfügung hatte!

An zwei Sonntagen machten wir Ausflugsfahrten über Kpandu zum Voltariver sowie zum Kyabobo National Park nördlich von Nkwanta. Dabei besuchten wir auch kurz das St.Josefs-Hospital. Da wir genug Arbeit in Dodi Papase vorgefunden hatten, sind wir nicht zum Operieren geblieben. Auch sind die Bedingungen im OP in Nkwanta weiterhin denkbar schlecht, der Zustand des Gästebungalows weiterhin unzumutbar! Zu unserem Erstaunen konnten wir aber ein neues, von deutschen Steuergeldern mitfinanziertes Apothekengebäude bestaunen, das auch ein Bankinstitut in Accra hätte sein können. An verglasten und komfortabel mit massivem Tropenholz eingerichtet Schaltern können nun die Patienten aus dem Busch ihre Medikamente entgegennehmen. Im OP wäre das Geld sicher besser angelegt gewesen.

Laut Freund Bosman sind mittlerweile ca. eine halbe Million Euro in Dodi Papase investiert worden und die Bedingungen damit recht gut. Bald wird das Röntgengebäude in Betrieb gehen und es existieren zwei neue Ultraschallgeräte. Da die beiden anwesenden einheimischen Doktoren  mit OPD und Stationsarbeit so viel zu tun haben, können diese nur Notfälle operieren. Laut OP-Buch sind im letzten Jahr durchschnittlich nur 20 Operationen pro Monat ausgeführt worden, außer im März 2010 und 2011; hier waren aber dann 3 deutsche Ärzte anwesend. Deshalb sollte man die Präsenz deutscher Ärzte weiter ausbauen, und die Einsatzkräfte auf wenige Krankenhäuser konzentrieren.
 
Trotz vieler Arbeit, mancher Überraschungen und Probleme war es ein schöner Einsatz und wir kommen gerne im nächsten Jahr wieder. Bei einer Fahrradtour in den letzten Tagen brachen leider 3 Speichen am Hinterrad (Vorsicht, vor zukünftiger Fahrrad-Benutzung kontrollieren!). Wir sind gespannt, ob dies repariert werden kann, Charity und die Administration wissen Bescheid.