Einsatzbericht St. Dominic's Hospital, Akwatia

4 Wochen in Akwatia sind wie bei den vorhergehenden Aufenthalten immer wieder eine Lehrstunde über afrikanische Lebens- und Herangehensweise. Nach herzlichem Willkommen bei den Dominikanerschwestern sowie den Schwestern, Hebammen und Ärzten der Frauenabteilung holt einen die afrikanische Wirklichkeit schnell ein.

Es sind Absprachen in der uns selbstverständlichen Stringenz  nicht möglich, aber es funktioniert alles  - irgendwie. Und die Menschen sind  liebenswert.

Ich hatte Dr. Adofo, dem alleinigen gynäkologischen Facharzt, wieder angeboten, mit ihm die Nachtdienste zu teilen und die Wochenenddienste  ganz zu übernehmen. Er nutzte  das ohne vorherige Absprachen sehr aus und war wenig da. Bei der hohen Geburtenzahl und der entsprechenden Häufigkeit von Kaiserschnitten war das eine physische Herausforderung, aber eine ärztlich sehr befriedigende Tätigkeit.

Dr. Adofo hat zur Zeit  zwei  sehr einsatzfreudige und geschickte housemen, Dr. Osei Kissi und Dr. Quaye, die allerdings noch nicht selbständig  operieren  können. Housemen bleiben nicht länger als 6 Monate auf einer Abteilung, dann kommen die nächsten, die dann wieder angelernt werden müssen. Deren Kondition ist eindrucksvoll. Bei Dr. Adofo bin ich mir nicht sicher, ob er in der Lage und willens ist, diese Belastung über einen längeren Zeitraum zu ertragen, zumal  seine Familie in Accra wohnt. Diese Konstellation ist ja auch bei anderen Ärzten so.

Die  Frauenabteilung hat  eine hohe Frequenz an Patientinnen  sowohl im stationären Bereich (knapp 3000 Entbindungen/Jahr bei einer Kaiserschnittfrequenz von ca. 25%) wie auch in der ambulanten Betreuung in der  geburtshiflichen Ambulanz (Antenatal),  gynäkologischen Ambulanz (OPD) und Ultraschallsprechstunde. Durch die Unerfahrenheit der jungen Ärzte ist der Zeitbedarf groß, der Ablauf oft schleppend.

Für die geburtshilflichen Ultraschalluntersuchungen ist die Geräteausstattung zur Zeit durchaus zufriedenstellend, wenn auch keine Dopplersonografie möglich ist, die m.E. zur  Zeit aber entbehrlich ist. Wünschenswert wäre allerdings für die gynäkologischen Ultraschalluntersuchungen eine vaginale Sonde. Die bisher vorhandene Uraltsonde ist nicht mehr funktionsfähig, und die Vaginalsonde an dem vorhandenen Siemensgerät von schlechter Qualität.

Fortbildungsangebote wie in diesem Sommer für Kolposkopie und Zytologie (Dr. Schomann) oder die Ultraschallseminare, die Herr  PD Dr. Kleinau während meiner Zeit hier durchführte, werden sehr gern angenommen. In der täglichen Arbeit jedoch leidet die Aus- und Weiterbildung unter der großen Menge an Routineaufgaben, die kaum Möglichkeiten lassen für  grundsätzliche Änderungen, die vor allem im Bereich der Organisation im geburtshilflichen Bereich notwendig wären.

Einige Beispiele : Der Einsatz von fetaler Überwachung durch CTG (Cardiotokogramm) unter der Geburt wird von den Hebammen nur selten, meistens nur auf ärztliche Aufforderung durchgeführt. Die Interpretation ist entsprechend schlecht, allerdings auch bei den Ärzten. Die Voraussetzungen für die Neugeborenenreanimation sind von der Ausbildung  her und apparativ bescheiden. Indikationen zur operativen Geburtsbeendigung werden in der Regel auf Grund der Länge der Geburtsdauer von den  Hebammen  gestellt, Diagnose :  CPD (=cephalopelvic disproportion), also relatives Missverhältnis zwischen Mutter und Kind. Es steht dahin, ob diese Diagnose bei einer so großen Zahl an Frauen, die oft bereits mehrere  Kinder geboren haben, gerechtfertigt ist. Dazu wäre auch von Bedeutung, die geburtshilfliche Vorgeschichte zu kennen, in der Regel iegt diese nicht vor, die Frauen selbst wissen meistens nur, dass sie ein Kind geboren haben und ob es lebt, sonst nichts. Erfreulich ist die Sensibilisierung aller in der Geburtshilfe Tätigen für  PPH (=post partum hemorrhage), Blutungen in der Nachgeburtsperiode, die ein großes Risiko für die hohe mütterliche Mortalität darstellen. Es ist ein Ziel der GHA (=Ghana Health Association), diese von zur Zeit  451/100.00 Lebendgeborene  senken. In Akwatia betrug 2009 die mütterliche Mortalität erfreulicherweise hochgerechnet nur 253.

Zusammenfassung

Insgesamt ist die medizinische Versorgung  der gynäkologischen und geburtshilflichen Patientinnen im St. Dominic’s Hospital zufriedenstellend. Die personelle  ärztliche Ausstattung ist mit nur einem hauptverantwortlichen Gynäkologen nicht ausreichend, da er die physische Belastung nicht auf die Dauer aushalten  kann und wird. Die Unterstützung durch die housemen ist für ihn lebensnotwendig, aber mit dem Risiko der Fehlentscheidungen durch deren Unerfahrenheit verbunden. Deren Grundkenntnisse, Verantwortungsgefühl und Einsatz  müssen aber sehr gelobt werden.

Die Aufstellung des Hospitals wird in der Zukunft nur dann erfolgreich sein, wenn es gelingt, die ärztliche Leitungsebene aufzustocken bzw. zu etablieren. So gibt es zur Zeit keinen ärztlichen Leiter für die Innere Medizin und, nach Weggang von Dr. Mantey, für die Chirurgie. Die Attraktivität von  Accra und Kumasi  beruht nicht nur auf deren Größe, sondern auch darauf, neben der eigentlichen Tätigkeit als angestellter Arzt eine einträgliche Privatpraxis betreiben zu können. Da diese Möglichkeiten in Akwatia  fehlen, muss  sich die Krankenhausverwaltung fragen lassen, welche Maßnahmen sie ergreifen will und wird, ein durch den unermüdlichen Einsatz der Dominikaner Schwestern  blühendes Hospital in Zukunft weiter erfolgreich zu führen Durch deren Initiative befinden sich zur Zeit drei Ärzte außerhalb in der Weiterbildung (Gynäkologie, Innere Medizin und Chirurgie), die vom Krankenhaus finanziert wird.

Prof. Jochen Gille